Freitag, 25. Dezember 2009

camera

An fotografischer Literatur lag mir schon immer viel. Und stets war es vorwiegend Literatur aus vergangenen Dekaden die es mir besonders antat. Einige Ausgaben eines längst nicht mehr produzierten FotoMagazins entdeckte ich beim vor-weihnachtlichen Gang in ein Antiquariat in meinem Stadtkreis. Das "camera".

Ein Fotomagazin mit selbsterklärtem hohen Anspruch, sowohl in foto-künstlerischer, foto-technischer als auch in herausgeberischer Hinsicht. Über einige Jahre sogar mit internationalem Anspruch und prägte den Begriff "Museum ohne Wände" mit. Herausgegeben und produziert wurde es von 1922 bis 1981 in Luzern. "camera" gehörte zusammen mit dem späteren "Photographie" zu den renomierten Fotozeitschriften aus der Schweiz.
6 der 8 Hefte die ich ergatterte, stammen aus den Jahren 1956 - 1962.

Solche Magazine sind Zeitzeugen. Von Herstellern und Marken aber auch Geschäften die es schon lange nicht mehr gibt, ist die Rede. Fotografen und Kameramodelle -und Systeme die längst in Vergessenheit gerieten. Und nur schon die Art des Publizierens unterschied sich aus technischen Gründen von späteren Dekaden. Viel Text.
Die Zeit von der Nachkriegszeit bis Ende der 60er stand in der Blüte der Foto-Reportage, welche schon zuvor populär wurde. Sozialreportage und Kulturreportage hatte Hochkonjunktur und es gab sogar zu Kontroversen anregende Strömungen in denen sich Fotografen in ihrer Arbeit zusammenschlossen.

Auch der Modefotografie und dem was man später "People-Fotografie" bezeichnete, räumte man Platz ein. Eine Entdeckung für mich war eine Ausgabe von 1961 in der Jeanloup Sieff vorgestellt wurde. Ihm wurde Titelbild als auch eine ganze Bildstrecke gewidmet. Eine der für ihn wohl ersten Publikationen dieser Art (Presse-Publikationen) dieses Umfangs.

Oder Fotografen wie Léon Herschtritt, einem "Michel Comte der 50er & 60er".

Sehr amüsant finde ich an solchen alten Magazinen die Werbung. Herrlich naiv und im Fall von "camera" im Kontrast zur künstlerischen Ausrichtung.

Diese "camera"'s versprühen einen bestimmten Charme. Vielleicht ist es gerade diese Mischung aus Handwerk, künstlerischem Anspruch und aber auch Naivität und natürlich die simple Präsentation welche sie auszeichnete.


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