Da hat man allerlei fotografisches Gerät, doch nicht erst die Erinnerung an den letzen Beitrag hier verrät, dass diese einstigen Wunderwerke gegenwärtig zum Nichtstun verdammt sind. Einen Tag der vergangenen Zeit gönnte ich mir dann jedoch für's Nichttun - nicht ganz, denn ich fuhr verangener Sonntag nach Burgdorf, an die Berner Fotobörse. Eine Turnhalle voll mit teils wunderbaren Kameras. Und zwei nahm ich dabei mit. Zwei Marken die es längst nicht mehr gibt, erste benannt nach einem Mond des Uranus - oder irgendeiner Frau. Miranda.
Genäuer : Miranda Sensorex. Hier auf den Bildern mit LichtschachtSucher anstatt PrimsenSucher :
Die Marke stand in den 60er Jahren für hochwertige Kameras. Nach der ProfiKamera Nikon F bot Miranda als erster Hersteller Wechselsucher an. Sie sind zudem gross, schwer und robust und haben ein recht eigensinniges Design. Auf nächstem Bild von hinten und diesmal mit standartmässigem PrismenSucher :
Andere machten das Design aber auch nur nach, und die Technik auch noch dazu. So etwa die Sowjets. Meine zweite an der Börse gekaufte Kamera ist so eine - Zorki 4 :
Und wie es das Klischee über solche russische Kameras will : meine ist kaputt . . .
Dabei haben diese einst den frühen LeicaMessucherkameras nachempfundenen Kameras unter Kennern gar kein so schlechten Ruf. Man braucht nur zu wissen, worauf man beim Kauf achten muss und welche Objektive teilweise recht gut sind.
Ein sehr aufgeräumtes und auch eigenständiges Design hatten dagegen jene Spiegelreflexkameras der ebenfalls einstigen Marke Kowa. Weil das Verschlusszeitenrad am Objektivbajonett anliegt (wie bei den alten Nikon Nikkormat und Olympus OM) hat's daher auch Platz an der Oberseite.
Kowa- sowieso eine Marke die's mir ja sehr angetan hat. Wel sehr interessante Konstruktionen. Die Kowa Spiegelreflxkameras besassen statt wie für diese Bauart üblich Schlitzverschlüsse, Zentralverschlüsse. Vorteilhaft beim blitzen. Auf diesen Bildern gleich zwei dieser Kowas' : erstere SE-R mit aussenliegender Messzelle
und die SE-T-R mit TTL-Messung (hier im Bild mit tollem 135mm f4).

Während hier gerade viel Mechanik zu sehen war, so kann's einem auch eine Kamera antun, die ganz im Zeichen der Modernisierung stand. Denn wenn's ein Begriff gibt, den die Geschichte des Kamerabaus - und überhaupt Fototechnik - durchzieht dann "der Drang zum Komfort" rsp Automatisierung.
Dafür stand Pentax (damals die Firma noch "Asahi" heissend) letztes Modell mit allmählich veraltendem M42-Schraubgewinde. Damit gleichzeitig auch die letzte der "Spotmatic"-Bauhreihe von Asahi/Pentax. Entgegen ihrem Aussehen funktioniert sie elektronisch, zumindest der Verschluss. Die ESII (ElectroSpotmatic 2). In Schwarz eine doch sehr schöne Kamera :
Nicht die letzte einer einer Baureihe, sondern die erste, war Minolta's Überaschung anno 1985.
Sie löste damals den "Sputnik-Schock" der Fotobranche aus. Denn mühten sich sämtliche grossen Hersteller lange Jahre mit Autofokus in Spiegelreflexkameras ab - so stand sie plötzlich da mit in's Gehäuse integriertem Autofokus inkl vollautomatischem, motorischem Filmtranspot. In einer Leichtigkeit, als wär eine solche Kamera eine Selbstverständlichkeit und besass die aufmüpfige Frechheit, die Grösseren der Branche derart herauszufordern. Die Rede ist von der Minolta 7000 :
Und wer nun meint, das man dafür sein Konto plündern müsste - weit gefehlt. Die teurste dieser vorgestellten Kameras kostete 150 Franken. Die schwarze Pentax und sie war erst noch revidiert und mit tollem 35mm f2 Objektiv. Die restlichen zwichen 30 - 100.-. Und alle bis auf eine funktionieren tadellos.
Mögen Kameras zusehends automatischer geworden sein - das Leben ist es nicht. So gibt's weder eine "Zeitmanagement-Automatik", noch eine "soll-ich-mal-eine-Webseite-aufmachen-Automatik". Denn beides Belange mit denen ich mich in dieser Zeit schwer tue.
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