nach dem blossem Besitz definiert den Bedarf. Und so erging es mir vor einer Weile.
Es gab da mal einen Kamerahersteller dessen Kameras mir immer nur Wunsch sein konnten.
Kameras aus schweizer Produktion. Ein Hersteller dessen Anfänge in den frühen 30er Jahren lag.
Ein hoffnungsvoller Start der von vielen Innovationen geprägt war.
Doch in den 70ern begann es zu krieseln. Ähnlich wie kurz darauf die Uhrenindustrie vor der "Elektrifizierung" kapitulieren musste, ging's stetig bergab. Es gab Versuche, wenigstens die Marke zu retten, aber Ende 80er Jahre war dann Schluss.
Die Rede ist von Alpa.
Pignons SA wie der Hersteller hiess, produzierte mit den Alpa Kameras sehr hochwertige KB Kameras.
Objektive stellte man nicht selber her, sondern bezog sie von Drittherstellern. So etwa die schweizerischen Kern, die französische Angénieux, die holländischen OldDelft oder die deutschen Schneider (-Kreuznach).
Schon zu Beginn setzte man auf das damals noch nicht verbreitete Konstruktionsprinzip Spiegelreflexkamera.
Allerdings in den ersten Jahrzehnten mit einem Doppelsuchersystem.
Im Jahr 1965 folgte dann eine aufseheneregende Innovation. Belichtungsmessung durch das Objektiv.
Alpa (Pignon) waren zwar nicht ganz die allerersten, aber die ersten aus Europa und im selbigen Jahr wie die beiden allerersten Topcon und Asahi Pentax.
Die Alpa 9d war dann auch Pignon's erfolgreichstes Kameramodell.
Die Alpa 9d wirkt so wie sie aussieht. Eigenständig und robust.
Schnell fällt auf, dass hier manche Dinge anders gelöst wurden, als bei anderen Spiegelreflexkameras.
Die meisten Hersteller richteten ihre Designs bzw Bedienelemente nach ähnlichem Design. Nicht so bei Alpa.
Der Schnellschalthebel liegt vorne und wird nach hinten gezogen. Der Auslöser liegt ebenfalls vorne, nahe am Bajonettkasten. Der flache Schalter neben dem Auslöser ist eine Auslöserarretierung.
Filme werden bei abgenommener Rückwand eingelegt bzw herausgenommen.
Überall trifft man bei der Alpa 9d auf sonderbar anmutende Bedienelemente.
Sie sind aber nicht nur einfach sonderbar, sondern sehr praktisch. Wie etwa die herausziehbare Rückspul"kurbel". Oder wie im nächsten Bild zu sehen der Schnellschalthebel mit darunter liegendem Zeitenrad.
Dieses bietet nämlich einige sogenannte "Zwischenzeiten". Und die Blitzsynchronzeit (1/60s) ist prominent in der Mitte plaziert. Interessant auch wie "Bulb" "B" nicht nach 1s kommt,, sondern irgendwo zwischendurch zwischen 1/30s & 1/15s. Der Grund wurde mir erklärt : dort beginnt das sogenannte Langzeitwerk.
Fotografiert man mit der Alpa 9d fällt auf, wie erstaunlich erschütterungsfrei sie ist. Das Spiegelklappen spürt man nicht, man hört es lediglich. Für eine vollmechanische Spiegelreflexkamera keine Selbstverständlichkeit!
Mit der Alpa 9d fotografiert sich wunderbar. Zugegeben, manches ist gewöhnungsbedürftig. Aber weil sehr praxisnah, gewöhnt man sich schnell daran.
Ein originales Objektiv habe ich nur eines. Ein Schneider TeleXenar 90mm F3,5.
Nicht nur die Kameras von Alpa waren damals sehr teuer, auch die Objektive die man zu ihr kaufen konnte.
Aber auch diesbezüglich erwies sich Alpa als innovativ und vorausschauend. Sie stellten gleich selber Adapter her, damit Alpa-Besitzer auch Objektive anderer namhafter Hersteller anschliessen konnten.
Von OldDelft und Angénieux kamen bald mal keine Objektive mehr, zu unrentabel die kleinen Stückzahlen für Alpa. Und von Kern gab es nur wenige Brennweiten, ebenso war auch das Angebot von Schneider relativ klein. So gab es Adapter für das damals gerade im Aufwind begriffene Nikon System. War doch Nikon nicht nur für seine Kameras, sondern auch für die Objekitve bekannt.
Mit einem Adapter für das M42 Schraubgewinde stand nun auch eine grosse Zahl möglicher Objektive zur Verfügung. Etwa Objektive von Asahi Pentax oder Pentacon und viele andere.
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| Alpa 9d mit Schneider Tele-Xenar 90mm F3,5 |
Unterscheiden taten sich Objektive und auch Adapter darin, ob sie die Möglichkeit zur Offenblendmessung boten. Man erkennt sie daran, dass sie einen eigenen Auslöser haben und dieser über jenen der Kamera zu liegen kommt.
Auslösen tut man ausnahmesweise mal nicht mit dem Zeigefinger, sondern mit dem Mittelfinger.
Der Druckpunkt hält eine weitere Besonderheit parat : drückt man sanft weiter und stopt noch vor dem auslösen, klapt der Spiegel bereits hoch. Mit etwas Gefühl lässt sich so eine Spiegelvorauslösung bewerkstelligen.
Eine Alpa 9d sieht für manche nicht nur "etwas seltsam" aus, sondern auch schwer. Leicht ist sie zwar nicht. Sie wiegt etwa ähnlich viel wie eine Nikon F oder F3, aber dafür weniger als eine F2 mit Photomic.
In der Praxis fotografiert es sich durchaus auch zügig. Sobald man sich an die Bedienung gewöhnt und die Vorteile zu schätzen weiss.
Und sei es erwähnt : Der Markenname Alpa lebt seit Mitte der 90er Jahre wieder weiter.
Wie auch die Initianten der einstigen Alpa KB-Kameras (und der verwandten Bolex Filmkameras) werden auch heute unter dem Namen Alpa höchst innovative Kameras produziert. Die engagierten Neugründer stellten ein modular konzipiertes Kamerasystem für Mittelformat auf den Markt.
1 - 6 : Pentax K-5II
7 & 8 Alpa 9d mit Nikkor Ai-S PC35mm 2,8; Fuji Provia100







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