Warum, so frage ich mich in letzter Zeit des Öfteren, betrachten wir unsere Tätigkeiten meist für so furchtbar persönlich?
Während institutionelle Kunstbetriebe mit selbst feiernden Begriffen wie "Neue Sichtweisen" stetig wiederholend beschreiben, und Event-Organisation alles so herrlich innovativ scheint, bleibt der privaten Erläuterung offenbar nichts weiter übrig, als sich auf das Refugium der Identität zu berufen.
Ob sich jemand mit Tätowierungen vollpflastert, Photoshop-Besitzer ihre konventierten SchwarzWeiss-Fotos in die Datenflut des Netzes schwemmen oder welche Tätigkeit auch immer. Ja, sogar kochen wird offenbar immer mehr zu etwas Persönlicherem.
Jemand Selbstkochendem das Menu abgeschlagen, so sind ausgeprägt ernüchterte Reaktionen nicht auszuschliessen.
Woher das alles, so persönlich?
Selbiges Phänomen ist ja auch am Arbeitsplatz zu beobachten.
Kritik an einer Vorgehensweise scheint auch immer Kritik an der jeweiligen Person zu sein. Aber ebenso auch Kritik Äussernde richten ihre Kritik allzu oft in persönlicher Absicht.
Ja, überhaupt!
Was sind das eigentlich für Befindlichkeiten? Sind wir Menschen solche Sensibelchen? Dabei bedeutet der Begriff "sensibel" ja keineswegs etwas Negatives.
Die Lösung kann nur eine sein : Alles war wir Menschen tun, verbinden wir offenbar mit unserer eigenen Identität. Tut jemand etwas, so tut es eben dieser. In der Wahl der freien Entscheidung sind es auch immer wir die die Dinge entweder nur richtig oder falsch machen können. Schön oder weniger schön. Wir haben ja schliesslich die Wahl.
Dem wäre im Grundsatz ja nicht mal zu wiedersprechen, doch nimmt das schon seltsame Züge an. Identität heisst ja auch "erkennbar". Und da wundert es keineswegs, dass sich diese Erkennbarkeit mit Äusserlichkeiten manifestiert. Psychologisch gibt's ja den Grundsatz : was dem Menschen lieb ist, verbindet er mit seiner Identität.
Seltsamerweise dient aber die Berufung auf die Persönlichkeit allzu oft um der Verantwortung auszuweichen. Hier tut sich eine gewisse, ambivalente Diskeptanz auf. Auf der einen Seite will man geachtet werden für die eigenen Leistungen, auf der anderen Seite, stiehlt man sich in der Berufung auf die Persönlichkeit wieder davon.
Wenn jemand etwas Richtiges sagt, ist er deswegen klug? Wenn sogeganntes Gutes Aussehen lobenswert ist, weshalb soll da "weniger beachtenswertes Aussehen" überhaupt entschuldigt werden müssen? Ist nun das Foto gut oder war der Fotograf gut?
Ja, der Mensch ist durch und durch ein ethisches Wesen. Will heissen : sofern für ihn etwas von Relevanz scheint, wertet er darüber. Die neutral-ethische Sicht bleibt dabei verborgen. Eine Meinung ist immerhin schon eine Meinung. Doch sie sagt noch nichts über die inhaltliche Richtigkeit aus.
In Sachen Kunst oder gar Selbstdarstellung ist das alles natürlich etwas komplexer als das bereits schon in der Antike formulierte "Zoon Politikon". Aber alles was persönlich vollbracht wird, scheint bei nähehender Betrachtung irgendwie unbequem zu werden. Ja, den es stimmt - alles aus persönlicher Motivation Entstandene gründet auch auf Persönlichem. Doch diese Feststellung mal erreicht, erklärt sie weiterführend eigentlich rein gar nichts. Bedeutungsschwangere Beschreibungen warum man dies oder das und dazu noch auf welche Weise tut, helfen da nicht weiter. Ansonsten müssten man sich eingestehen, das Leben und alle Tätigkeiten die es beinhaltet, als eine Leistung zu betrachten.
Das Erlernen des Handwerklichen scheint da aber eher im biografischen Kontext als in persönlicher Bedeutung zu stehen. Es wäre ja nur zu schön, die menschlichen Motivationen einzig in negativ und positiv zu werten. In ihrer Ergründung epfiehlt es sich ohnehin, mal zuerst gar nicht zu werten. Denn die Wirklichkeit ist nicht moralisch, ist nicht-ethisch. Der Wahrheit selber ist es egal, ob das was geschieht "gut" oder "schlecht" sei. Sie ist "einfach". Wir Menschen erklären uns aber. So, wie wir auch alles andere erklären versuchen.
Was bei einem selber bleibt ist die Identität, denn in letzter Konsequenz ist sie das Essentiellste was wir alle haben.
Es wäre ein Trugschluss des Menschen kognitive Fähigkeit von seinen ausgeprägten Empfindungen trenen zu wollen. Vielleicht gründen die bedeutungschwangeren PersönlichkeitsBeschreibungen auch von daher. Immerhin : dem Menschen eigen ist es, jegliche Entwicklung linear zu betrachten. Quasi vom Schlechterem zum Besseren. Er scheint gar von einem ontologischem Drang beseelt zu sein, dach dem "Guten" zu streben.
Und im ganzen hier geschilderten Durcheinander ist es nicht mehr klar, was denn da nun Ursache und Wirkung ist. Tatsache ist und bleibt : wir werten über so ziemlich alles und da ist es nicht verwunderlich, dass die Wertung über sich selbst die empfindlichste ist.
In einem Zeitalter wo man alles selber zu entscheiden glaubt, kommt dieser Wertung natürlich noch höhrere Bedeutung zu. Und dafür wird im Ausgleich suggeriert, andere Arten von Handlungen seien determiniert. Für die können wir nichts. Denn nur so hält sich die Waage innherhalb der Verantwortung. Unser zeitgenössisches Menschenbild gestaltet sichalso gar nicht mal so komplex wie man annehmen dürfte, sondern entlarft sich irgendwie ausgeklügelt primitiv.
Nein, sagen wir mal vorsichtshalber "dualistisch".
Mh, wo war ich nun wieder stehen geblieben . . .?
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