Gibt es "philosophische Kunst"?
Zwei Fragen, die vermeintlich das Gleiche meinen können.
Schon manche Kunstschaffende oder Philosophen hatten sich zu diesem Thema geäussert.
Tatsache ist, dass viele Kunstschaffende in ihren Werken Inhalte vermittlen wollen, philosophischen Gehalts.
Ebenso dass der Kunstbetrieb zu einem gewissen Teil davon lebt, philosophische Inhalte in den Werken überhaupt zu erkennen. Ob bildende Kunst wie Malerei usw über Literatur bis hin zu Filmen.
Das drängt irgendwann zur Frage, ob Kunst denn auch Ersatz für Philosophie sein, kann, ob denn die klassische Philosophie durch Kunst unnötig würde.
In früheren Jahrhunderten war Kunst tatsächlich bewusste Form philosophiegleiche Inhalte zu vermitteln.
Ja, tatsächlich ein verbildlichen, ein vergegenwärtigen dessen was vermittelt werden sollte.
Das ist, was Kunst kann.
Und die Philosophie?
Die klassische Philosophie zeichnet sich aber gerade durch Unmissverständlichkeit aus. Zumindest weitgehendste Unmissverständlichkeit, die im Rahmen des sprachlichen Verständnis liegt.
Kunst hingegen hält sich nicht nur nicht an diesen Rahmen, sie tritt aus diesen Konventionen bewusst heraus.
Ihre Vermittlungfähigkeit ist vielmehr das ergreiffen, rsp ergriffen werden. Während die der Philosophie eher das begreiffen ist.
Schon in der Antike, in den ersten Anflügen bewusster Philosophe sprach man vom "Staunen".
Doch dieses "staunen" meinte mehr das ergiffen sein von dem was man erlebt.
Ob ein Kunstwerk einem gefällt (oder eben nicht), dafür sprechen natürlich kaum rationelle Gründe. Oder richtiger gesagt "naturalistische Gründe". Es ist aber auch nicht einfach nur "Geschmack". Sondern eben dieses ergriffen sein.
An dieser eigentlichen Schnittstelle können Kunst und Philosophie durchaus aufeinander treffen.
Kunst kann also quasi "auf die Sprünge helfen", kann verbildlichen, versinnbildlichen.
Dahinter steckt nicht nur bloss ein praktischer Zweck, sondern vielleicht auch ein Antrieb. Anders gesagt : Motivation.
Denn auch der Philosophierende philosophiert nicht nur einfach so, sondern tut es aus vielerlei Motivationen.
Kann Kunst etwas aussagen?
Ich denke, Kunst kann insofern aussagekräftig sein, als der Betrachter gewillt ist, aus dem Werk heraus zu interpretieren. Sie kann ihm zu neuen oder neu aufgrfrischten Fragen verhelfen, wenn auch in Wahrheit zweiteres wohl viel häufigeres vorkommt.
Dieses Fragen ist der Philosophie Essenz und geht mit der Motivation sie zu beteiben einher. So gibt es keine wirkliche Philosophie die nur behauptet, aber nichts mehr fragt.
Nicht "zu wissen" ist für die Philosophie von existenzieller Bedeutung, sondern das Fragen. Das angeeignete Wissen kann lediglich Stütze, kann Hilfe zur Beweisführung oder eben auch Mittel zur Vergegenwärtigung sein. Die Fragen werden durch das Wissen nicht neu, sondern sie erweitern sich.
Als "philosophisch" könnte man all jenes bezeichnen, das zu Fragen anregt, aber auch in der Fragestellung hilft, eben vergegenwärtigt. Ob Versinnbildlichungen welche die Vorstelungskrafft bereichern oder gar Gewissheit.
Der Ohmacht der unendlichen Fragestellungen bewusst, so stellt sich auch irgendwann heraus, dass es nicht das Wissen ist, das weiter bekräftigt, sondern eben die Gewissheit. Beide sind revidierbar, doch die Gewissheit führt viel eher als das Wissen zur ursprünglichen Frage zurück; anders gesagt : zum einstigen staunen . . .
Eine Konkurrenz heraufzubeschwören, wie es heute leider üblich ist, ist nicht nur unnötig, sondern auch verfehlt. Das festhalten am Wahrheitsbegriff nützt wenig, diese "zivilisatorischen Disziplinen" gegeneinenader zu stellen. Denn keine ersetzt die andere. Weder kann Kunst durch etwas anderes ersetzt werden, noch Philosophie, noch Naturwissenschaft und auch nicht Religion. Sie ergänzen sich vielmehr. Denn das Festhalten an einem Wahrheitsbegriff sagt noch nichts darüber aus, wie wahr eine Aussage ist. Gleichwohl, wie dieser jeweilige Wahrheitsbegriff verstanden, definiert und propagiert wird.
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