Mittwoch, 5. Mai 2010

Leidenschaft ohne Ereignis

Anlass zu diesem Beitrag gab mir, dass heute Abend im zürcher Kaufleuten eine der gegenwärtig besten Bands aufspielt. Da ich diese Woche aber Arbeitszeiten gleich einer Eule habe, muss ich diesemal auf deren Darbietung verzichten. Doch vorenthalten möchte ich's nicht :


Die Tindersticks! Unbedingt empfehlenswert - und passt auch noch zum gegenwertigem Wetter . . .

Die Tindersticks, wohl eine Rockband gemässigtem Tempos, abwechslungsreich und sowieso - aber es geht auch elektronisch - und kalte Elektronik passt ebensogut zu diesen kühlen Tagen.
So leidenschaftlich wie die Musik der Tindersticks, deren Sound aber eher warmklangig ist, war es derjenige der


eher nicht, sondern kühl.

Ja, bei Songs wie "In My Room", "Tuesday", "Softly Over", "Nobodys Diary" usw usw, lasse sogar ich mal eine Kamera in der Tasche liegen . . .

"Leidenschaft ohne Ereignis" nenne ich das. Das Phänomen welches Musik in uns allen auslösen kann.

Aber keine musikalische Leidenschaft ohne


Was braucht man angesichts Jaques Brel hinsichtlich musikalischer Leidenschaft noch zu sagen . . . ?

Scheinbar das Gegenteil aller Leidenschaft
. . . und dennoch nicht . . .
Der umwerfende Sound einer neuen musikalischen Genereration anno 1980.


Yazoo besangen noch in "Goodbye '70's" wie sehr sie froh um die neu angebrochenen 80er seien.
Doch angesichts der gemächlicheren aber nicht weniger leidenschaftlichen Blues-Klängen von sagenhaften Alben wie
wären solche Zeilen nicht notwendig gewesen. Ein wunderherrliches Duet auf "Never Get Out Of These Blues Alive" mit Van Morrison.

Eine ganz andere Form von musikalischer Leidenschaftlichkeit die sich eher auf das desktruktive "leiden" bezieht

Quasi eine Ode an die Verlorenheit unserer Dekaden. ja, auch moderne Musik kann zeitlos sein, Suede zum Beispiel.

Ähnlich verloren wähnt sich auch der Protagonist folgernder Klänge dieses neuen Albums :


Die Eels, eine der wenigen Bands deren Alben ich bei Erscheinen auch ohne vorherigs Probehören im Laden kaufen kann. Und da wären wir auch gleich wieder bei den Tindersticks . . .

"Leidenschaft ohne Ereignis", ist ja irgendwie auch doppeldeutig. In der Musik werden ja auch Empfindungen suggieriert und vermittelt aus Geschichten usw deren Ereignis nie stattfand.

Aber lassen wir doch Meister dieser Kunst selber sprechen :



Mag Brels' "Amsterdam" auf den ersten Blick eher der Sorte "sozialkritische Nostalgie" angehören, so entrupt sich doch der Text einem der Gesellschaft doch stets unangenehmen Thema.




Kann man das also tatsächlich so sagen "Leidenschaftlichkeit ohne Ereignis"?
Andererseits : zu empfinden ist ja bereits schon Ereignis genug. Na ja, wissen und verstehen vermag auch ich nicht vieles; vielleicht hät ja Janis die Antwort darauf gewusst . . .


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